Es gibt nicht viele Musikströmungen, die speziell deutsche Erfindungen sind. Die großen deutschen Komponisten waren eher Stars einer schon vorhandenen Bewegung, die aber nicht alleine auf Deutschland oder den deutschen Sprachraum begrenzt waren. Sowohl Barock als auch die Renaissance und die Romantik fanden gleichzeitig auch in Frankreich, Italien und teilweise England statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der deutsche Schlager der aber wiederum nur eine eingedeutsche Variation der amerikanischen Vorbilder war. Viele große Stars wie Peter Kraus und auch Peter Alexander übersetzten einfach die Lieder von Übersee.

Eine wirklich deutsche Musikströmung stellte die Neue Deutsche Welle (NDW) dar. Musikalisch basierte sie zwar auf Elementen von Punk und Wave, suchte aber in der Auslieferung ihresgleichen in den Nachbarländern. Lediglich Österreichs Falco kann auch als Teil der NDW-Bewegung gesehen werden.

Der Begriff wurde erstmals 1979 in einem Musikmagazin namens Sound erwähnt, und zwar in einer Anzeigen eines Plattenlabels. Er wurde in Zusammenhang mit einer neuen Band gebracht, der Deutsch Amerikanischen Freundschaft. In den frühen 80er Jahren entwickelte sich die Welle noch im Untergrund, bis sie es dann ins Licht der Öffentlichkeit schaffte. Hatten die Schlager noch versucht auch textlich die amerikanischen Vorbilder zu kopieren, so entwickelte die Neue Deutsche Welle einen eigenen Sprachstil. Man verwendete bewusst die weniger melodisch klingende deutsche Sprache, nicht aus nationalistischen Gründen, sondern meist aus kulturell-identitären Gründen. Der Kalte Krieg war auf dem Höhepunkt, Deutschland war zweigeteilt, die Sehnsucht nach Frieden und Einheit war groß.

Die Bands

Zu den Bands der ersten Stunde gehörten neben der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft vor allem Der Plan und Abwärts. Die meisten Gruppen kamen aus Berlin und Düsseldorf, aber auch Limburg entwickelte sich zu einem musikalischen Brennpunkt. Mit der zunehmenden Bekanntheit des Genres wurde die Musik auch etwas weichgespült. Fun statt Punk war die Devise und Gruppen wie Geier Sturzflug waren die Protagonisten dieser neuen Epoche der Neuen Deutschen Welle. Fehlfarben befanden sich an der Grenze zwischen ursprünglich und populär, ebenso die Band Extrabreit. Das Sänger Markus bestach weniger durch tiefsinninge Texte als durch gefällige Kompostion. Er gehörte zu jenen Künstlern, die die Antwort der Plattenformen auf die NDW waren. Weitere waren Hubert Kah, UKW und die Combo Colossale. Sie sangen im wesentlichen Schlager, wenn auch in einer etwas modernere Form.

Einige Sänger schafften auch den Sprung auf die internationale Bühne. Trio waren eine avandtgardistische Formation, die den Punk und den Pop zu einer minimalistischen Form reduzierten, die aber gleichsam dem Publikum gefiel. Das wurde auch in anderen Märkten gesehen, und „Da Da Da“ verkaufte sich auch ausserhalb Deutschland sehr gut. Die Sängerin Nena machte dann die NDW weltweit bekannt, noch heute sind die „99 Luftballons“ ein Klassiker auf jeder Party, gleich ob in Deutschland oder im Ausland. Viel zu früh verstarb Falco, der ebenfalls eine internationale Karriere vor sich hatte.